Das war die DDR

Geschichte der Kampfgruppen der Arbeiterklasse

Von ersten Aufstellungen 1953 bis Mitte der 1980er Jahre

Die ersten Einheiten wurden bereits im zweiten Halbjahr 1953 aufgestellt. Die Kampfgruppen wurden in Auswertung des Aufstandes vom 17. Juni 1953 im Laufe des Jahres 1954 als Betriebskampfgruppen weiterentwickelt. Ihre offizielle Aufgabe war anfangs der Kampf gegen Saboteure und andere "Feinde des Sozialismus" in der DDR, insbesondere als bewaffneter Betriebsschutz. Während des Ungarischen Volksaufstandes 1956 zeigten sie in der Öffentlichkeit Präsenz. Ab 1959 war die offizielle Bezeichnung Kampfgruppen der Arbeiterklasse. Ihr historisch wichtigster Einsatz war die Beteiligung von 5000 (nach anderen Angaben 8000) Kämpfern zur Grenzsicherung beim Bau der Berliner Mauer 1961, obwohl die tatsächliche Einsatzbereitschaft damals eher mangelhaft war.

1966/67 lag die Gesamtstärke bei 181.500 "Kämpfern". Die Masse war verteilt auf "Operative Reserven" und "Objektsicherungskräfte". Sie waren zum überwiegenden Teil in Bataillonen, die bis zu vier Hundertschaften stark waren, organisiert. Dazu kamen 66 selbstständige motorisierte "Hundertschaften". Diese selbstständigen Einheiten mit ihrer besseren Ausrüstung waren hauptsächlich in den Grenzbezirken zu Berlin und Westdeutschland aufgestellt und unterstanden direkt der Kreiseinsatzleitung der Territorialverteidigung. Die Bataillone und Hundertschaften wurden überwiegend in Großbetrieben gebildet oder Hundertschaften als territoriale Einheiten aus verschiedenen Betrieben und Einrichtungen zusammengestellt.

Wende und friedliche Revolution

Bereits im November 1988 stellte die Bezirksführung Leipzig der Staatssicherheit fest, dass die Kampfgruppen politisch nicht mehr zuverlässig seien. Während der Wende und friedlichen Revolution 1989 sollten etwa 3.500 Kampfgruppenangehörige für Einsätze um den Tag der Republik am 7. Oktober 1989 v. a. in Berlin aktiviert und weitere in Bereitschaft versetzt werden. Nach Bekanntgabe der Einsatzbefehle traten 188 aus den Kampfgruppen aus und 146 weitere lehnten ihren Einsatz ab.

Während der Montagsdemonstrationen 1989 wurden vereinzelt Kampfgruppenangehörige für Sicherungsaufgaben eingesetzt, unter anderem in Leipzig, Plauen, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und Schwerin. Bekanntester propagandistischer Einsatz war ein Leserbrief in der Leipziger Volkszeitung (damals SED-Tageszeitung), in dem der Kommandeur der Kampfgruppenhundertschaft Hans Geiffert forderte: "Wir sind bereit und Willens, das von und mit unserer Hände Arbeit Geschaffene wirksam zu schützen, um diese konterrevolutionären Aktionen endgültig und wirksam zu unterbinden. Wenn es sein muß, mit der Waffe in der Hand!" Die Authentizität dieses Leserbriefs ist umstritten.

Letzter Verantwortlicher war von 1972 bis 1989 Generalmajor der VP Wolfgang Krapp als Hauptabteilungsleiter Kampfgruppen im Ministerium des Innern.

Nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 stellten die Kampfgruppen ihre Tätigkeit ein. Mit der zunächst von der Volkskammer und folgend aus Verhandlungen mit dem Zentralen Runden Tisch hervorgegangenen neuen DDR-Regierung Modrow wurde ab dem 6. Dezember 1989 die Entwaffnung mit Anordnung des Innenministers Lothar Ahrendt vollzogen. Bis Ende Mai 1990 waren alle KG-Einheiten demobilisiert. Die persönliche Bekleidung (Uniform u. a.) konnten die Mitglieder privat behalten.

Quelle Wikipedia

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