Das war die DDR

Arbeitsweise und Zusammensetzung der Volkskammer

Die Volkskammer tagte üblicherweise zwei- bis viermal im Jahr, die Sitzungen waren nach § 6 der Geschäftsordnung grundsätzlich öffentlich. Sie tagte zwischen 1950 und 1970 im Langenbeck-Virchow-Haus. Danach diente die Kongresshalle am Alexanderplatz als Tagungsort. Ab 1976 fanden ihre Sitzungen im kleinen Saal des neu gebauten Palastes der Republik statt. Nach der Schließung des Palastes der Republik im September 1990 tagte die Volkskammer zuletzt im Haus am Werderschen Markt.

Die Volkskammer verfügte über die folgenden Ausschüsse:

  • Ausschuss für Allgemeine Angelegenheiten (1950–1963)
  • Ausschuss für Örtliche Volksvertretungen (1956–1963)
  • Ausschuss für Wirtschafts- und Finanzfragen (1950–1963)
  • Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten (1950–1990)
  • Ausschuss für Arbeit und Gesundheitswesen (1950–1958)
  • Ausschuss für Gesundheitswesen (1958–1990)
  • Ausschuss für Arbeit und Sozialpolitik (1958–1990)
  • Ausschuss für Handel und Versorgung (1963–1990)
  • Petitionsausschuss bzw. Ausschuss für die Eingaben der Bürger (1950–1990)
  • Geschäftsordnungsausschuss (1950–1990)
  • Gnadenausschuss (1950–1963), Aufgabe danach vom Staatsrat der DDR übernommen
  • Haushalts- und Finanzausschuss (1950–1990)
  • Mandatsprüfungsausschuss (1963–1990)
  • Jugendausschuss (1950–1990)
  • Justizausschuss (1950–1963
  • Ausschuss für Nationale Verteidigung (1963–1990)
  • Ausschuss für Industrie, Bauwesen und Verkehr (bis 1990)
  • Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft (1950–1990)
  • Ausschuss für Volksbildung und Kultur (1954–1958)
  • Ausschuss für Kultur (1958–1990)
  • Ausschuss für Volksbildung (1958–1990)
  • Rechtsausschuss (1950–1963)
  • Wahlprüfungsausschuss (1950–1963)
  • Verfassungsausschuss bzw. Verfassungs- und Rechtsausschuss (1950–1990)

Die Volkskammer hatte bis 1963 400 Sitze, danach 500. Bis zur 5. Wahlperiode (1967–1971) gehörten 66 Berliner Vertreter der Volkskammer mit beratender Stimme an, danach waren diese normale Abgeordnete. Seit Ende 1958 nahmen an den Sitzungen und an der Ausschussarbeit 100, später 200 Nachfolgekandidaten teil. Diese hatten kein Stimmrecht in den Abstimmungen, waren den regulären Abgeordneten aber sonst weitgehend gleichgestellt.

Folgende Fraktionen waren von 1950 bis April 1990 in der Volkskammer vertreten: SED-Fraktion, CDU-Fraktion, LDPD-Fraktion, NDPD-Fraktion, DBD-Fraktion, FDGB-Fraktion, FDJ-Fraktion, DFD-Fraktion, Kulturbund-Fraktion, VdgB/Konsumgenossenschaften-Fraktion (nur von 1950 bis 1963 und ab 1986) sowie VVN-Fraktion (1950–1954).

Volkskammerabgeordnete nach Partei bzw. Massenorganisation (1981–1986)
Name der Fraktion Kürzel der Fraktion Anzahl der Abgeordneten Pseudografische Darstellung der Anzahl der Abgeordneten
Sozialistische Einheitspartei Deutschlands SED 127
Christlich-Demokratische Union CDU 52
Liberal-Demokratische Partei Deutschlands LDPD 52
Demokratische Bauernpartei Deutschlands DBD 52
National-Demokratische Partei Deutschlands NDPD 52
Freier Deutscher Gewerkschaftsbund FDGB 68
Freie Deutsche Jugend FDJ 40
Demokratischer Frauenbund Deutschlands DFD 35
Kulturbund KB 22

Der Anteil von Frauen an den Abgeordneten betrug 1950 23,0 Prozent (mit Berliner Vertretern), 1986 32,2 Prozent. Die Mehrheit der SED in der Volkskammer seit 1950 wurde durch die Fraktionen der Massenorganisationen (FDGB, DFD, FDJ, KB) gesichert, deren Fraktionsmitglieder in der Regel zugleich Mitglieder der SED waren.

Prominente Abgeordnete waren neben allen wichtigen SED-Parteifunktionären und Vorsitzenden der anderen Parteien unter anderem prominente Leistungssportler wie Heike Drechsler oder Täve Schur und Arbeiteraktivisten sowie Veteranen der sozialistischen Bewegung bzw. des DDR-Aufbaus wie Rosa Thälmann, Kurt Krjeńc, Käthe Kern und Wilhelmine Schirmer-Pröscher.

Quelle Wikipedia

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