Das war die DDR

Im Jahr der Kapitulation 1945

Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 war das nationalsozialistische Deutschland besiegt und der Zweite Weltkrieg in Europa beendet.

Mehrere Initiativgruppen des Zentralkomitees, die von der Sowjetunion gesteuert wurden, waren bereits vor dem Kriegsende aus dem sowjetischen Exil nach Deutschland zurückgekehrt. Neben der Gruppe Ulbricht, angeführt durch Walter Ulbricht, den späteren Staats- und Parteichef der DDR, die etwa am 1. Mai in Bruchmühle bei Strausberg ihre Tätigkeiten aufnahm, gab es die Gruppe Ackermann-Matern in Dresden und die Gruppe Sobottka in Warsow bei Stettin. Diese Gruppen sollten deutsche Selbstverwaltungsorgane unter kommunistischer Leitung mit breiter Beteiligung "bürgerlicher-antifaschistischer" Kreise schaffen. In den ersten Juni-Tagen folgte eine weitere Gruppe um Wilhelm Pieck.

Die Hauptalliierten der Anti-Hitler-Koalition, Großbritannien, die USA und die Sowjetunion, später auch Frankreich, übernahmen durch die Berliner Erklärung am 5. Juni offiziell die oberste Regierungsgewalt im Deutschen Reich, stellten die vier Besatzungszonen beziehungsweise für Berlin die vier Sektoren fest und bildeten den Alliierten Kontrollrat. Die Donau- und Alpenreichsgaue des Deutschen Reiches wurden wieder zu Österreich und ebenfalls in vier alliierte Besatzungszonen aufgeteilt, darunter auch eine SBZ.

Die östlich davon gelegenen Reichsgebiete (Ostdeutschland) wurden unter einstweilige polnische und sowjetische Verwaltung (heutige Oblast Kaliningrad) gestellt. Entsprechend der Erklärung von Jalta zogen die USA und Großbritannien ihre Truppen in der Zeit vom 1. bis 4. Juli aus den als SBZ bestimmten Gebieten ab (westliches Mecklenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, westliches Sachsen) und rückten im Gegenzug in die für sie reservierten Westsektoren Berlins ein.

Zwischen Mai und September 1945 richtete die Geheimpolizei des sowjetischen NKWD insgesamt zehn sogenannte Speziallager auf dem Gebiet der SBZ ein. Bis 1950 wurden dort mindestens 122.000 Deutsche ohne Verfahren und Gerichtsurteil inhaftiert. Tausende von ihnen wurden zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert. Mindestens 42.000 Menschen kamen in den sowjetischen Speziallagern ums Leben.

Am 9. Juni übernahm in Deutschland die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) mit Sitz in Berlin-Karlshorst die Regierungsgewalt in der SBZ.

Eine erste territoriale und politische Untergliederung der SBZ geschah bereits im Juni 1945 durch die Errichtung der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen sowie Thüringen mit eigenen Landesregierungen und Provinzverwaltungen in den ehemaligen preußischen Provinzteilen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Den Verwaltungen der fünf föderativen Ländern beziehungsweise Provinzen wurde mit dem Befehl Nr. 45 vom 22. Oktober 1945 das Recht auf Gesetzgebung eingeräumt, wenn diese im Einvernehmen mit den Kontrolldirektiven standen.

Im September kam es durch das Wanfrieder Abkommen zu einem Gebietstausch zwischen sowjetischer und US-amerikanischer Besatzungszone. Dies betraf die Bahnverbindung Bebra - Göttingen. Damit gelangte ein Teil des Eichsfelds in die amerikanische Zone und später nach Hessen. Durch das Barber-Ljaschtschenko-Abkommen gab es im November einen weiteren Gebietstausch, diesmal zwischen Mecklenburg und dem zur britischen Besatzungszone gehörenden Schleswig-Holstein.

Der Befehl Nr. 1 vom 9. Juni 1945 über die Organisation der militärischen Administration zur Verwaltung der sowjetischen Okkupationszone in Deutschland führte die Sowjetische Militärische Administration, später nur Sowjetische Militäradministration ein. Zum Obersten Chef der Sowjetischen Militärischen Administration wurde General Georgi Konstantinowitsch Schukow ernannt, sein erster Stellvertreter Armeegeneral Wassili Danilowitsch Sokolowski, als Stellvertreter des Obersten Chefs in Sachen der Ziviladministration wurde Generaloberst Iwan Alexandrowitsch Serow ernannt. Stabschef wurde Generaloberst Wladimir Wassiljewitsch Kurassow, Sitz bzw. Standort wurde die Stadt Berlin.

Mit dem Befehl Nr. 2 vom 10. Juni gestattete die SMAD die Bildung von Parteien und Gewerkschaften. Einen Tag später wurde die KPD gegründet. Weitere Parteien wie die SPD, CDU und LDP folgten bis Anfang Juli. Am 13. Juni konstituierte sich der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB). Zuvor waren Parteien aufgelöst worden, wie etwa die "Partei der Werktätigen", die in Thüringen als einheitliche sozialistische Partei aus Altkommunisten und Sozialdemokraten gegründet worden war. Am 14. Juli bildete sich der Demokratische Block aus KPD, SPD, CDU und LDP. Er gestaltete das Parteiwesen in der SBZ zur Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien um.

Am 1. Juli wurde die Deutsche Volkspolizei gegründet; sie wurde nach Genehmigung durch die SMAD am 1. Oktober bewaffnet.

Ein weiterer Befehl der SMAD vom 23. Juli 1945 leitete eine Reorganisation des Finanz-, Bank-, Sparkassen- und Versicherungswesens ein. Ein gleichzeitig nicht öffentlich ergangener Befehl bestätigte die bereits am 8. Mai vorgenommene Beschlagnahmung von Geldern und Mitteln aus Geld- und Kreditinstituten.

Im August 1945 wurde auf Befehl Nr. 17 der SMAD vom 27. Juli 1945 in Berlin die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung (DZfV) gebildet. Die dringendste Aufgabe der DZfV war der Aufbau eines antifaschistischen, weltlichen und sozialistischen Schul- und Bildungswesens. Wegen der umfassenden Entlassung NS-belasteter Lehrkräfte war die Auswahl und Einarbeitung geeigneter Neulehrer von besonderer Bedeutung. Die DZfV war ein wichtiges Instrument zur Organisation und Einführung der sozialistischen Einheitsschule in der SBZ. Das Kultur-, Volksbildungs- und Hochschulwesen wurden nach sowjetischen Vorgaben umgestaltet. Die SMAD führte ein striktes System der Vorzensur in der SBZ ein. In Gerichten wurden sogenannte "Volksrichter" eingesetzt.

Vom 3. bis 11. September erließen die Provinz- und Landesverwaltungen in der SBZ Verordnungen zur Durchführung der Bodenreform in Deutschland. Dabei wurden Landbesitzer entschädigungslos enteignet, die über 100 Hektar Fläche besaßen. Mit Hilfe des Befehls 124 des SMAD und Handlungen der Sequesterkommission wurden alle großen Industriebetriebe enteignet und in sogenanntes "Volkseigentum" überführt. Mai bis Juli: Der ersten Demontagewelle fielen etwa 460 Berliner Betriebe zum Opfer. Dies entsprach zirka 75 Prozent der damals noch vorhandenen Kapazitäten.

Im Sinn der Reparationspolitik kam es zur Aneignung von Kriegsbeute und Trophäenaktionen, der Demontage, der Enteignung von Industriebetrieben und sonstigen Vermögenswerten, der Errichtung sowjetischer Handelsgesellschaften, der Entnahme von Erzeugnissen aus laufender Produktion und Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen sowie Zivilinternierten auch in der UdSSR. Die Kapazitätsverminderung in einzelnen Industriezweigen betrug 15 bis 100 %.

Quelle Wikipedia

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