Das war die DDR

Ausrüstung der Nationalen Volksarmee (NVA)

Viele der rein staatlichen DDR-Rüstungsunternehmen waren fast gänzlich ohne ein ziviles "Standbein" auf Produktion und Instandsetzung von Rüstungsgütern spezialisiert. Die direkte Rüstungsindustrie der DDR bestand 1989 aus 74 Unternehmen mit überwiegender bzw. anteiliger Rüstungsproduktion, in denen rund 42.000 Arbeitnehmer tätig waren. Dazu kamen noch eine Anzahl Zulieferbetriebe, so dass insgesamt etwa 130 Betriebe und Betriebsteile, Finalproduzenten und Zulieferer, mit der Produktion militärischer Güter sowie etwa 285 Betriebe und Betriebsteile, darunter 25 spezielle Instandsetzungsbetriebe, mit der Instandsetzung von militärischen Gütern beauftragt wurden und etwa 100.000 Arbeitnehmer beschäftigten.

Alle Unternehmen der Rüstungsindustrie verfügten über, im RGW-Vergleich, moderne Betriebsstätten mit hoch produktiven Technologien und Ausrüstungen. Die in den Unternehmen beschäftigten Arbeiter und Ingenieure besaßen eine hohe Qualifikation und ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein. Die Rüstungsunternehmen waren als selbstständige Betriebe oder Betriebsteile in die Kombinate eingeordnet, mit Ausnahme des Kombinates Spezialtechnik Dresden, das nur Rüstungsunternehmen umfasste. Dementsprechend unterstanden sie der Wirtschaftsleitung der Industrieministerien und später des Wirtschaftsministeriums der DDR und waren so, anders als etwa in der VR China, von der Armee deutlich getrennt.

Die Initiative zu Rüstungsprojekten kam von entsprechenden Gremien in der SED. Der Anteil der Rüstungsproduktion an der industriellen Warenproduktion der Kombinate war je nach Erzeugnispalette unterschiedlich. Den größten Anteil Rüstungsproduktion hatten 1986 folgende Kombinate:

  • VEB Kombinat Spezialtechnik Dresden 100 Prozent
  • VEB Burger Bekleidungswerke 100 Prozent
  • VEB Kombinat Carl-Zeiss Jena 21,8 Prozent
  • VEB Kombinat Schwermaschinenbau Magdeburg 15,9 Prozent
  • VEB Textilkombinat Cottbus 14,4 Prozent
  • VEB Kombinat Technische Textilien Karl-Marx-Stadt 12,7 Prozent
  • VEB Kombinat TAKRAF Leipzig 8,7 Prozent
  • VEB Kombinat Robotron 8 Prozent

Das produzierte Gesamtvolumen an wehrtechnischen Gütern und Dienstleistungen betrug 1989 insgesamt 3,7 Milliarden Mark, davon wurde Wehrtechnik in einem Wertvolumen von 1,4 Milliarden Mark exportiert. Hauptabnehmer war die Sowjetunion. Darunter fielen unter anderem Maschinengewehre der Serie Kalaschnikow, die beim VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa faktisch in Lizenz gefertigt wurden.

Es gab auch Exporte in das NSW. Um 1980 beliefen sich die Rüstungslieferungen an afrikanische Länder auf etwa 200 Millionen Mark jährlich. Darüber hinaus wurden auch Reparaturen von Jagdflugzeugen im VEB Flugzeugwerft Dresden, heute Elbe Flugzeugwerke GmbH, für befreundete Länder durchgeführt, wie auch für Iran und den Irak während deren gegeneinander geführten Krieges.

Das Gesamtvolumen entsprach etwa einem Prozent der industriellen Warenproduktion der gesamten DDR. Die Hauptleistungen umfassten die Instandsetzung und Modernisierung sowjetischer Wehrtechnik sowie die Produktion von Wehrtechnik auf Basis sowjetischer Lizenzen und eigener Entwicklungen für die Nationale Volksarmee sowie für die Armeen der Warschauer Paktstaaten. Die DDR führte 86 Prozent aller Instandsetzungen an militärischen Gütern für die eigenen bewaffneten Kräfte durch.

Haupterzeugnisse und Leistungen lagen insbesondere bei:

  1. Instandsetzungen insbesondere sowjetischer Rüstungsgüter
  2. Produktion von
    • Schützenwaffen und Schützenwaffenmunition,
    • Handgranaten, Minen und pyrotechnischen Mitteln,
    • Panzerabwehrlenkraketenkomplexen und Feuerleiteinrichtungen,
    • Kampf- und Hilfsschiffen,
    • Brückenlegepanzern
    • mobilen Spezialauf- und -einbauten auf Kraftfahrzeugen,
    • mechanischer und elektronischer Sicherungstechnik,
    • Ausbildungs- und Trainingsgeräten
    • Dienst- und Schutzbekleidung sowie Tarnmitteln
  3. Wissenschaftlich-technische Leistungen auf den Gebieten
    • Basistechnologien der Mikroelektronik und Fertigung von Bauteilen der Lichtleiternachrichtenübertragung
    • Hochleistungs- und Infrarotoptik
    • digitale und optisch parallele Bildverarbeitung
    • optoelektronische Sensorik
    • Lasertechnik
    • Tarnmittel
    • Technologien zur Instandsetzung von Wehrtechnik

Im Gefolge des NATO-Doppelbeschlusses von Dezember 1979 und der 1983 vom US-Präsidenten Ronald Reagan verkündeten Strategic Defense Initiative SDI wurden auch die Rüstungsanstrengungen in der DDR intensiviert, wobei man sich auf die Militärelektronik konzentrierte. Ein Politbürobeschluss vom 24. Mai 1983 plante die militärischen Produktionsanteile des Kombinates Carl Zeiss Jena von 15,7 Prozent im Jahr 1983 auf 28 Prozent im Jahr 1990 zu steigern. Kernvorhaben waren die Entwicklung und Produktion eines Zielsuchkopfes für Luft-Luft-Raketen, eines optoelektronischen Zielsuchkopfes für Seezielraketen und Fernerkundungssysteme für den Krieg im Weltraum. Die Militarisierung der Mikroelektronik betraf den ganzen Industriebereich. Bis 1990 war annähernd eine Verdreifachung der militärischen Exporte gegenüber 1981/85 vorgesehen, was durch die Wahl Michail Gorbatschows zum Generalsekretär der KPdSU am 11. März 1985 nicht mehr zum Tragen kam.

Durch dessen Entspannungspolitik verlor die Rüstungsindustrie der DDR schlagartig ihren größten Abnehmer, die Sowjetunion, wie auch die dagegen eingetauschten Rohstoffe. Bereits Mitte 1986 ließ der Generaldirektor des VEB Carl-Zeiss Jena Wolfgang Biermann auf persönliche Weisung Honeckers eine Konzeption zur faktischen Einstellung der Militärprojekte erarbeiten. Eine Umstellung auf zivile Produktion führte wegen des zu hohen Anteils von Eigenproduktionen mikroelektronischer Bauelemente (1989 um 70 Prozent, Bundesrepublik rund 40 Prozent) zu untragbaren Kostenstrukturen.

Quelle Wikipedia

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