Das war die DDR

Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee (NVA)

Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee
Das Hoheitszeichen der Luftfahrzeuge der Nationalen Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik
Aktiv 1. März 1956 bis 2. Oktober 1990
Staat Flagge der Deutschen Demokratischen Republik  DDR
Streitkräfte Nationale Volksarmee
Typ Teilstreitkraft
Gliederung Kommando LSK/LV
Stärke 20.808 Soldaten davon
  • 6.555 Offiziere
  • 5.517 Unteroffiziere
  • 8.736 Grundwehrdienstleistende
8.013 Zivilangestellte
Hauptquartier Kdo. LSK/LV Barnim-Kaserne Strausberg

Geschichte

Die Wurzeln der Luftstreitkräfte der DDR liegen in der Zeit vor der Gründung der Nationalen Volksarmee. Das Ziel war, eine strukturelle Grundlage und eine Basis für den Aufbau der Expertise, die für den Einsatz und den Betrieb von Luftstreitkräften erforderlich ist, zu erhalten. Hierfür wurde 1951 zunächst unter dem Ministerium des Innern/Kasernierte Volkspolizei (MdI/KVP) der Stab der Volkspolizei-Luft (VP-Luft) in Berlin-Johannisthal aufgestellt. Dieser führte die 1. Fliegerdivision mit drei Regimentern.

Die Ausbildung erfolgte ab 1953 an Luftfahrzeugen der Typen An-2, MiG-15, La-9, Jak-18 und Jak-11, die durch die Sowjetunion zur Verfügung gestellt wurden, wobei die fünf erhaltenen La-9 nur für die Ausbildung am Boden genutzt wurden. Jedoch bereits ab Anfang 1952 wurde insgeheim mit der Ausbildung des zukünftigen Bodenpersonals und der Piloten im sogenannten Lehrgang X begonnen.

Ende November 1953 erfolgte die Neuaufstellung als Stab der Verwaltung der zunächst Aeroklubs genannten Einheiten in Cottbus und der Wechsel der Unterstellung vom MdI direkt unter den Stellvertreter des Ministers und Chef der Kasernierten Volkspolizei. Die Fliegerregimenter wurden in die Aeroklubs 1 (Cottbus), 2 (Drewitz) und 3 (Bautzen) umstrukturiert, die ihrerseits in zwei Abteilungen untergliedert waren. Ab 1954 standen zusätzliche Flugzeuge Z-126 und M-1D aus tschechoslowakischer Produktion zur Verfügung.

Am 1. März 1956 wurden die Luftstreitkräfte als Bestandteil der Nationalen Volksarmee offiziell gegründet. Zunächst gingen aus der Verwaltung der Aeroklubs nach sowjetischem Muster die Verwaltungen Luftstreitkräfte (LSK) in Cottbus und Luftverteidigung (LV) in Strausberg (Eggersdorf) hervor. Beabsichtigt war die Unterstellung von drei Jagdfliegerdivisionen, einer Schlachtfliegerdivision und einer Flak-Division. Aufgestellt wurden letztlich jedoch nur die 1. und 3. Fliegerdivision und die 1. Flak-Division. Am 1. Juni 1957 erfolgte eine Zusammenlegung beider Verwaltungen in Strausberg (Eggersdorf) und die Umbenennung in Kommando Luftstreitkräfte/Luftverteidigung (Kdo. LSK/LV).

1961 wurden unter diesem Kommando durch Zusammenführung der fliegenden Verbände und der Flugabwehrraketenverbände sowie der Funktechnischen Truppen zwei Luftverteidigungsdivisionen aufgebaut. Im selben Jahr erfolgte die Einbindung erster Verbände in die integrierte Luftverteidigung des Warschauer Paktes, dem Diensthabenden System (DHS). Mit der Einführung der MiG-21 ab 1962 erhielt die NVA ein vielfältig einsetzbares Luftfahrzeug, das bis 1990 zum Einsatz kam.

Ab den 1970er Jahren wurde der gesamte Luftraum der DDR vom Fürstenwalder Bunker Fuchsbau aus überwacht. Beginnend 1971 baute die NVA mit dem Jagdbombenfliegergeschwader 31 den ersten Verband auf, der im direkten Zusammenwirken mit den Landstreitkräften eingesetzt werden konnte. Aufgrund von Forderungen des Vereinten Kommandos der Bündnisstreitkräfte nach weiteren fliegenden Verbänden zur Unterstützung der Bodentruppen folgte später der Aufbau eines weiteren Jagdbombenfliegergeschwaders und ab 1975 zweier Kampfhubschraubergeschwader.

Zu deren Führung, ihre Einsatzgrundsätze unterschieden sich grundlegend von denen der defensiven Luftverteidigung, wurde 1981 am Standort des Kdo LSK/LV das Führungsorgan der Front- und Armeefliegerkräfte (FO FAFK) als Stab einer weiteren Division aufgestellt. Ihm wurden unter anderem auch die Verbindungsflieger- und Lufttransportverbände unterstellt. Nach Ausgliederung der beiden Kampfhubschraubergeschwader 57 und 67 unter das Kommando der Landstreitkräfte wurde das FO FAFK 1984 in das Führungsorgan Front- und Militärtransportfliegerkräfte (FO FMTFK) mit neuem Standort in Strausberg überführt.

Mitte der 1970er Jahre erweiterte die NVA mit der MiG-23, Anfang der 1980er Jahre mit der Su-22 und zuletzt ab 1988 mit der MiG-29 ihr fliegendes Inventar.

Mit Ablauf des 2. Oktobers 1990 wurden die LSK/LV in die Bundeswehr überführt. Rahmenbedingungen für die Übernahme ihres Personals beziehungsweise die Weiternutzung ihres Materials in der Luftwaffe stellten neben den zu erwartenden Kosten zum einen Vorgaben zum Personalumfang der Luftwaffenstruktur 4, die eine deutliche Reduzierung vorsah, und zum anderen die Obergrenzen an Gerät gemäß dem Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa dar.

Von den Flugzeugen wurden zunächst alle MiG-29, einige Transportflugzeuge und Teile der Mi-8-Flotte nach der Wiedervereinigung von der Luftwaffe für einige Jahre weiter betrieben.

Zahlreiches Gerät wurde durch die Wehrtechnischen Dienststellen der Bundeswehr und anderen Nationen technischen und taktischen Untersuchungen unterzogen. Großgerät wie Flugabwehrraketensysteme der Landstreitkräfte vom Typ SA-6 oder SA-8 werden noch heute zur Ausbildung oder zur Simulation des Gegners bei Übungen der Luftwaffen der NATO eingesetzt.

Auftrag

Auftrag der LSK/LV der NVA war, die "Sicherung der Lufthoheit des Landes, die Deckung seiner politisch-administrativen und ökonomischen Zentren und Räume vor Schlägen aus der Luft sowie die Unterstützung der anderen Teilstreitkräfte in Gefechten und Operationen. Ihre Kräfte und Mittel waren in das Diensthabende System der Luftverteidigung der Staaten des Warschauer Verteidigungsbündnisses einbezogen".

Waffengattungen, Spezialtruppen und Dienste

Die NVA Luftstreitkräfte verfügten über folgende Waffengattungen bzw. Truppengattungen:

  • Flugabwehrraketentruppen (FRT)
  • Fliegerkräfte
  • Funktechnische Truppen (FuTT)

Unterstützt wurden diese in ihrer Auftragserfüllung durch Spezialtruppen und Dienste wie beispielsweise:

  • die Nachrichten- und Flugsicherungstruppe (NFT), mit Abdeckung aller klassischer Aufgaben im Führungsgrundgebiet 6 und Flugsicherungsaufgaben,
  • den Fliegeringenieurdienst (FID), mit Instandsetzung und Instandhaltung aller fliegenden Waffensysteme und
  • die Rückwärtigen Dienste (RD), mit Abdeckung aller Aufgaben im Bereich Logistik, Transport, Nachschub und sanitätsdienstlicher Versorgung.
Flugabwehrraketentruppen

Die Flugabwehrraketentruppen (FRT) waren die bodengebundene Luftverteidigung der NVA-Luftstreitkräfte.

Auftrag
  • Aufklärung und Identifizierung von Luftfahrzeugen im Zuständigkeitsbereich der Feuerabteilungen und Verbände der FRT
  • Empfang, Darstellung und Bewertung der Luftlagedaten und Informationen
  • Erarbeitung der Zieldaten
  • Bekämpfung von Flugzielen in allen Höhenbereichen, an den fernen und nahen Grenzen der wahrscheinlichen Vernichtung, im Zusammenwirken mit den anderen Teilstreitkräften und der GSSD, unter allen Lage- und Witterungsbedingungen und zu jeder Zeit 24/7/365
Gliederung

Die FRT waren in Feuerabteilungen, Truppenteile bzw. Brigaden gegliedert. Sie waren truppendienstlich und operationell den beiden Luftverteidigungsdivisionen unterstellt.

Ausrüstung
  • Flugabwehrraketenkomplexe geringer Reichweite S-125 (SA-3)
  • Flugabwehrraketenkomplexe mittlerer Reichweite S-75 (SA-2)
  • Flugabwehrraketenkomplexe großer Reichweite S-200 (SA-5)
  • Sensoren zur Erarbeitung eigener Plotdaten oder von Primärinformationen in den Feuerabteilungen
Besonderheit

Die NVA begann kurz vor der Wende mit der Einführung des Flugabwehrraketensystems S-300P (SA-10). Aufgrund strenger Geheimhaltung blieb dies dem Westen bis 1990 verborgen. Die vorhandenen zwölf Startrampen wurden noch vor der Wiedervereinigung an die Sowjetunion zurückgegeben.

Fliegerkräfte

Die Fliegerkräfte der LSK/LV umfassten hauptsächlich Jagdflieger- und Jagdbombergeschwader, die auch zur Unterstützung der Landstreitkräfte und der Volksmarine eingesetzt werden konnten. Zusätzlich bestand die Fähigkeit zur luftgestützten Aufklärung und zum Lufttransport mit Hubschraubern und Flugzeugen. Der Fliegeringenieurdienst, die Fliegertechnischen Bataillone (FTB) und die Truppen der flugplatztechnischen Sicherstellung waren für die Bereitstellung einsatzklarer Luftfahrzeuge und den Betrieb der Flugplätze verantwortlich. Jedem fliegenden Verband war jeweils ein Nachrichten- und Flugsicherungsbataillon zugeordnet, das für Führungsunterstützung und Flugsicherung zuständig war.

Funktechnische Truppen

Die Funktechnischen Truppen (FuTT) waren der Radarführungsdienst (auch Einsatzführungsdienst) der NVA-Luftstreitkräfte.

Auftrag
  • Aufklärung und Überwachung des Luftraums der DDR
  • Identifizierung von Luftfahrzeugen
  • Erarbeitung, Bewertung und Darstellung einer einheitlichen ARKONA (FüWES) basierten Luftlage
  • Übertragung des Luftlagebildes zu den Gefechtsständen der Truppenteile, der Verbänden, zum Zentralen Gefechtsstand (ZGS) und zur Vereinigten Hauptzentrale (VHZ) der LSK/LV und weiteren Nutzern
  • Austausch der Luftlage im Zusammenwirken mit anderen Nutzern
Gliederung

Die FuTT gliederten sich in abgesetzte Funktechnische Posten (FuTP), Funktechnische Kompanien (FuTK) und Funktechnische Bataillone (FuTB). Sie waren den beiden Luftverteidigungsdivisionen truppendienstlich und operationell unterstellt. Der FuTB-Gefechtsstand war dem damaligen NATO CRC vergleichbar.

Besonderheit

Die Luftlagedaten und Informationen waren die Grundlage für den Einsatz der bodengebundenen – und fliegenden Waffensysteme.

Organisation und Führung

Kommando LSK/LV

Das Kommando LSK/LV war der Führungsstab und zugleich das Führungskommando der NVA Luftstreitkräfte. Ihm waren das Führungsorgan der Front- u. Militärtransportfliegerkräfte (FO FMTFK) sowie die 1. und 3. Luftverteidigungsdivision sowie weitere Truppenteile, Einheiten und Einrichtungen direkt unterstellt.

1. Luftverteidigungsdivision (1. LVD)

Der Auftrag der 1. LVD leitete sich vom Gesamtauftrag der NVA LSK ab und bestand in der "Sicherung des südlichen Luftraums der DDR".

Grundlagen der Aufstellung der ersten fliegenden Einheiten und Einrichtung sowie die Ausbildung des Personalbestands und die Einnahme der Zielstrukturen waren die Befehle 16/52 und 18/52 des Chefs der VP-Luft vom 13. August 1952. Die bereits bestehenden Einheiten der Aeroklubs der Kasernierten Volkspolizei wurden einbezogen.

Ab 1. Juli 1956 erhielt der Großverband die Bezeichnung 1. Fliegerdivision, danach 1. Jagdfliegerdivision und Anfang Dezember 1961 die endgültige Namensgebung 1. LVD.

Stab und Divisionskommando waren bis zu deren Auflösung im Kasernenbereich des Flugplatzes Cottbus untergebracht. Vorläuferorganisation des Divisionskommandos war die KVP-Dienststelle Cottbus. Der Divisions-Gefechtsstand 31 (GS-31) befand sich in Kolkwitz, unweit von Cottbus.

Mit der Außerdienststellung der NVA im Jahre 1990 wurde das Divisionskommando aufgelöst.

3. Luftverteidigungsdivision (3. LVD)

Der Auftrag der 3. LVD leitete sich vom Gesamtauftrag der NVA LSK ab und bestand in der "Sicherung des nördlichen Luftraums der DDR".

Die Division entstand auf Grundlage der bereits bestehenden Einheiten des 2. Aeroklubs der Kasernierten Volkspolizei am 26. September 1956.

Der Kommandostab wurde zunächst am Flugplatz Cottbus-Drewitz unter der Bezeichnung 3. Fliegerdivision aufgestellt. Später erhielt der Großverband die Bezeichnung 3. Jagdfliegerdivision und Anfang Dezember 1961 die endgültige Namensgebung 3. LVD.

Stab und Divisionskommando wurden zum Flughafen Neubrandenburg nach Trollenhagen verlegt. Der Divisions-Gefechtsstand 33 (GS-33) befand sich in Cölpin, unweit von Neubrandenburg.

Mit der Außerdienststellung der NVA im Jahre 1990 wurde das Divisionskommando aufgelöst.

Führungsorgan Front- u. Militärtransportfliegerkräfte (FO FMTFK)

Der Auftrag des FO FMTFK leitete sich vom Gesamtauftrag der NVA LSK ab und bestand in der Luftnahunterstützung der anderen Teilstreitkräfte, der "luftgestützten Aufklärung" und der Bereitstellung von Lufttransportkapazität.

Ab Dezember 1981 wurde beim Kommando LSK/LV ein Führungsorgan der Front- und Armeefliegerkräfte (FOFAFK) aufgestellt, das im Jahre 1982 die Arbeitsbereitschaft herstellte und gemeinsam mit dem Kommando LSK/LV im Bereich der Barnimkaserne in Strausberg (Eggersdorf) stationiert war.

Ab 1984 erhielt das FOFAFK die endgültige Bezeichnung Führungsorgan Front- und Militärtransportfliegerkräfte (FOFMTFK), nachdem die beiden Kampfhubschraubergeschwader KHG-3 und KHG-5 an die Militärbezirkskommandos MB-III bzw. MB-V der Landstreitkräfte übergeben worden waren.

Das Führungsorgan war als Stab vor allem für die Ausbildung der Front-, Armee- und Transportfliegerkräfte zuständig, hatte im Verteidigungsfall keinen Führungsauftrag und galt nach eigenem Verständnis nicht als Führungskommando einer Division.

Zur Führung des täglichen Flugdienstes und der fliegerischen Ausbildung verfügte das Führungsorgan im Keller seines Stabsgebäudes über einen Führungspunkt, der im 24-Stunden Dienst mit einer Diensthabenden Besatzung besetzt war.

Mit Auslösung höherer Stufen der Gefechtsbereitschaft (Krieg oder Manöverlage) verlegte das Führungsorgan Teile des Stabes in die Bunkeranlage Ranzig/Beeskow und bezog dort seine Führungsstelle 2. Gemäß Direktive 1/85 erfolgte bei Kriegsgefahr gleichzeitig die Umunterstellung der JBG-37, JBG-77, MFG-28, TAFS-47, TAFS-87 unter sowjetischen Befehl der 16. Luftarmee. Aus den verbleibenden Transportfliegerkräften wurde das Führungsorgan Militärtransportfliegerkräfte Ranzig/Besskow gebildet. Damit verbunden waren zusätzliche Unterstellungen der Hubschrauberstaffel 16 von den Grenztruppen und dem Hubschrauberausbildungsgeschwader 35 in Briest von der OHS LSK/LV zum neuen FOMTFK.

Mit der Außerdienststellung der NVA im Oktober 1990 wurde das Divisionskommando aufgelöst. Rechtsnachfolger wurde die 5. Luftwaffendivision der Bundeswehr.

Quelle Wikipedia

Seite 164 von 234

Hier geht's zum Podcast "Eliten in der DDR" bei MDR.DE