Das war die DDR

Auflösung der Nationalen Volksarmee (NVA) ab 1990

In den krisenhaften 1980er-Jahren wurden NVA-Soldaten immer öfter in der Wirtschaft geschlossen als Arbeitskräfte eingesetzt. Im Mai 1987 übernahm die NVA die neue defensive Militärdoktrin des Warschauer Pakts. Die DDR-Führung plante die Streitkräfte 1989 um rund 6 % zu reduzieren.

Während der politischen Wende des Jahres 1989 wurden Hundertschaften aus NVA-Soldaten in rund vierzig Fällen zum Einsatz in Sperrketten und im Objektschutz abgestellt. Ein gewalttätiger Einsatz von NVA-Soldaten gegen Demonstranten fand nicht statt.

An den Friedenstruppen der Vereinten Nationen hat sich die NVA nicht beteiligt.

Wiedervereinigung und ehrenvolle Übergabe 1990

Am 20. Januar 1990 gründete sich mit dem Verband der Berufssoldaten der Nationalen Volksarmee eine eigenständige Interessenvertretung der NVA-Soldaten. Am 18. April 1990 wurde Rainer Eppelmann Minister für Abrüstung und Verteidigung der DDR und am 27. April traf sich Eppelmann mit Bundesverteidigungsminister Gerhard Stoltenberg in Köln. Beide verständigten sich darauf, dass ein vereintes Deutschland Mitglied der NATO sein soll. Am 2. Mai 1990 fand die Kommandeurstagung der NVA statt.

Minister Eppelmann erklärte, dass nach seiner Auffassung die NVA soweit bestehen bleibe, solange in Europa zwei Militärbündnisse existieren. Das Ende der NVA ist besiegelt, als Bundesverteidigungsminister Stoltenberg die Formel "Ein Staat - eine Armee!" herausgibt. Am 20. Juli 1990 legten die Berufssoldaten der NVA einen neuen Fahneneid ab. Am 23. August 1990 beschloss die Volkskammer den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 des Grundgesetzes zum 3. Oktober. Am 23. August 1990 erfolgte die Herausgabe eines Befehls des Ministeriums für Abrüstung und Verteidigung bis zum 28. September die Gefechtsfahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge zu entmunitionieren.

Mit der Unterzeichnung des Einigungsvertrages am 31. August 1990 erfolgte auch die Beendigung der militärischen Aus- und Weiterbildung von Angehörigen der NVA an sowjetischen, polnischen, tschechoslowakischen und anderen Lehreinrichtungen. Am 9. September 1990 begannen 280 Offiziere der NVA an der Offiziersschule der Luftwaffe (OSLw) in Fürstenfeldbruck eine Vorlaufausbildung, um auf ihre Aufgaben als Offizier der Bundeswehr vorbereitet zu werden. Am 12. September wurde der Zwei-plus-Vier-Vertrag in Moskau unterzeichnet. Der Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen Republik sowie Frankreich, der Sowjetunion, Großbritannien und den Vereinigten Staaten machte den Weg für die Wiedervereinigung Deutschlands frei und trat am 15. März 1991, dem Tag der Hinterlegung der letzten Ratifikationsurkunde, mit einer offiziellen Zeremonie in Kraft. Zu den Bestimmungen des Vertrages gehört der Verzicht auf atomare, biologische und chemische Waffen, die Reduzierung und Beschränkung der Truppenstärke der deutschen Streitkräfte auf 370.000 Soldaten, der Abzug der sowjetischen Westgruppe der Truppen (WGT) bis 1994 und das Verbot der Stationierung von Kernwaffen und ausländischen Truppen auf ostdeutschem Gebiet. Am 24. September 1990 unterzeichnete die DDR ein Protokoll über den Austritt aus dem Warschauer Pakt.

Am 3. Oktober 1990 erfolgte die Deutsche Wiedervereinigung, zu diesem Zeitpunkt umfasste die Mannstärke der Bundeswehr mit den NVA-Kräften fast 600.000 Mann. Bundesverteidigungsminister Gerhard Stoltenberg übernahm die Kommandogewalt über die Truppenteile der aufgelösten NVA. Das Bundeswehrkommando Ost (BwKdo Ost) mit Sitz in Strausberg übernahm am 4. Oktober die militärische Führung unter dem Befehlshaber Generalleutnant Jörg Schönbohm. Am 19. Oktober 1990 erfolgte das erste öffentliche Feierliche Gelöbnis von Rekruten im Bereich des Bundeswehrkommandos Ost auf dem Marktplatz in Bad Salzungen.

Abwicklung und Neuernennungen ab 1990

Mit der Demobilisierung der NVA wurden die Standorte, Einrichtungen und Ausrüstung an die Bundeswehr übergeben, die die Abwicklung durchführte. Die meisten der vorhandenen Standorte wurden geschlossen und die Ausrüstung entweder durch die Bundeswehr zunächst weitergenutzt, verschrottet, zu geringen Teilen auch an andere Staaten verkauft oder verschenkt, so etwa Schützenpanzerwagen an die Türkei, Pionierfahrzeuge an Schweden, Luftabwehrsysteme an Griechenland oder Schiffseinheiten an Indonesien. Eine Auswahl von allen Waffensystemen wurde in die USA zum Test und als interne Manövergegner überführt. Ein Teil des Unteroffizierkorps sowie die Mehrheit des Offizierkorps wurden entlassen. 3200 des zuletzt 36.000 Personen zählenden Offiziers-Kaders wurden übernommen, wobei etwa 11.000 Offiziere einen Antrag auf Übernahme stellten. Die ehemaligen NVA-Angehörigen wurden dabei mit einem oder auch zwei Dienstgraden niedriger in die Bundeswehr übernommen, da die Beförderungen in der NVA früher erfolgten als in der Bundeswehr und daher der Übernahmedienstgrad so berechnet wurde, als hätte der ehemalige NVA-Angehörige von Anfang an in der Bundeswehr gedient. Am 2. Oktober 1992 wurden erstmals ehemalige Angehörige der NVA zu Berufssoldaten der Bundeswehr ernannt. Die einzige übernommene Einheit ist der heutige Technologiestützpunkt Tarnen und Täuschen in Storkow.

Folgezeit

Generell galt bis zum 1. März 2005 die in der NVA geleistete Dienstzeit als "gedient in fremden Streitkräften". Heute lautet die Bezeichnung "gedient außerhalb der Bundeswehr". Laut Einigungsvertrag ist es den ehemaligen NVA-Angehörigen, im Gegensatz zu früheren Angehörigen der Wehrmacht, nicht gestattet, in der Bundesrepublik ihren letzten Dienstgrad mit dem Zusatz "a. D." (außer Dienst) zu führen. Eine Verwendung des Zusatzes für ehemalige NVA-Angehörige scheiterte im Frühjahr 2005 im Verteidigungsausschuss des Bundestages an den Stimmen der Vertreter von SPD und Grünen gegen die Stimmen von CDU und FDP. Die Abkürzung wird manchmal für ehemalige NVA-Angehörige verwendet, wie etwa vom Deutschen Museum in München, das die Abkürzung in seiner Darstellung der deutschen Raumfahrt für den ostdeutschen Forschungskosmonauten Sigmund Jähn nutzt.

Verwertung der militärischen Liegenschaften der NVA

1993 übernahm die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft die Verwertung und Veräußerung der vom Bund übernommenen Liegenschaften der ehemaligen NVA.

Quelle Wikipedia

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