Das war die DDR

Auslandspräsenz der Nationalen Volksarmee (NVA)

Teile der NVA waren 1968 für militärische Aktionen zur Niederschlagung des Prager Frühlings vorgesehen, die NVA war am Einmarsch in die Tschechoslowakei aber aus politischen Gründen nicht beteiligt. Die 7. Panzerdivision und die 11. motorisierte Schützendivision sollten ursprünglich laut Planung an der Intervention mitwirken. Wegen der zu erwartenden außenpolitischen Wirkungen, es wäre der erste Auslands- und evtl. Kampfeinsatz deutscher Truppenverbände nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen, wurden diese Großverbände nicht eingesetzt. Sie leisteten logistische Hilfe beim Einmarsch und standen in Grenznähe zur Unterstützung der Sowjetarmee bereit, wenn die Lage z. B. durch einen allgemeinen Volksaufstand im Nachbarland eskaliert wäre. Verbindungsoffiziere, NVA-Nachrichtensoldaten und auch MfS-Offiziere waren direkt in der ČSSR im verdeckten oder korrespondierenden Einsatz.

Mehrere Male befand sich die NVA über einen längeren Zeitraum im Zustand der erhöhten Gefechtsbereitschaft. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961, bei dem sie logistisch und absichernd mitwirkte, 1962 während der Kubakrise und 1968 bei der Niederschlagung des Prager Frühlings in der ČSSR durch Truppen von vier Warschauer-Pakt-Staaten sowie letztmals in der Zeit der Wende im Herbst 1989.

Im Vorfeld der Verhängung des Kriegsrechts in Polen wurden 1981 kleinere NVA-Einheiten darauf vorbereitet, zusammen mit sowjetischen und tschechoslowakischen Truppen gegen die polnische Gewerkschaftsbewegung Solidarność zu intervenieren. Ende 1980 wurde erhöhte Gefechtsbereitschaft für die NVA ausgerufen. Die geplante Militäroperation wurde jedoch nicht durchgeführt.

Die Leistungen der NVA bei Großmanövern des Warschauer Pakts galten als gut. Die NVA war wegen ihres hohen Ausbildungsstandards und ihrer guten Disziplin eine der schlagkräftigsten Armeen des Warschauer Pakts. Direkt am Eisernen Vorhang stehend, waren sämtliche aktiven Verbände voll präsent. Doch konnte die NVA aus der Sowjetunion nicht immer die modernste Technik beziehen, da die verfügbaren finanziellen Möglichkeiten oft erschöpft waren, Lieferengpässe bestanden oder aus Geheimhaltungsgründen keine Exporte vorgesehen waren. Zudem lehnten es die sowjetische Militärführung und Rüstungsindustrie ab, modernste Technik sofort den Bündnispartnern zugänglich zu machen. So war auch die Nationale Volksarmee nicht dauerhaft auf dem höchsten Stand der Technik und wartete gelegentlich über Jahre auf diverse technische Neuheiten, die unter den "sowjetischen Waffenbrüdern" schon als veraltet galten.

Trotz ihrer anfänglich geringen Bedeutung wuchs die Nationale Volksarmee bis zum Zusammenbruch des Ostblocks zu einem der wichtigsten Bündnispartner der sowjetischen Streitkräfte heran. Dies trug dazu bei, dass sich die DDR allmählich den Respekt der sowjetischen Führung erwarb und eine eigenständigere außenpolitische Rolle einnehmen konnte.

Anders als die meisten westlichen Armeen und ähnlich wie Armeen anderer sozialistischer Länder musste sich die NVA selbst in großem Umfang am Produktionsprozess der Volkswirtschaft beteiligen, was an den typischen Mangelerscheinungen einer RGW-Ökonomie lag. Zahlreiche Soldaten wurden zeitweise als Erntehelfer, im Braunkohleabbau und für Bauaufgaben eingesetzt. Dieses wurde bisweilen auch von den Militärs selbst kritisch betrachtet, weil sich so Ausfälle in der militärischen Ausbildung ergaben.

Quelle Wikipedia

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