Das war die DDR

Chronik 1989 - Wende

1989
13. JanuarEin Arbeitsausschuss zur Gründung eines Freidenkerverbandes in der DDR bildet sich.
15. JanuarÜber 500 Menschen demonstrieren auf dem Leipziger Marktplatz für Meinungsfreiheit. Auf dem KSZE-Folgetreffen in Wien protestieren der bundesdeutsche und der US-amerikanische Außenminister gegen die Inhaftierungen einiger, die diese Demonstration vorbereitet hatten.
2. MaiUngarn öffnet seine Grenze zu Österreich. In der Folge versuchen Hunderte von DDR-Bürgern über Ungarn in den Westen zu gelangen. Gleichzeitig begeben sich viele in die Botschaften der Bundesrepublik in Budapest, Prag und Warschau, um an westdeutsche Reisepapiere zu gelangen.
7. MaiBei Kommunalwahlen wird durch Kontrollen von Bürgerrechtsgruppen erstmals Wahlbetrug nachgewiesen. Erich Honecker nennt das offizielle Ergebnis (98,85 Prozent der Stimmen auf die Kandidaten der "Nationalen Front") "ein eindrucksvolles Bekenntnis zu der auf Frieden und Sozialismus gerichteten Politik der SED".
6. JuliDer Staatspräsident der UdSSR Michail Gorbatschow lehnt entgegen sowjetischer Zusagen zur Unterstützung der DDR in Krisen eine Intervention von sowjetischen Truppen zur Abwendung von Unruhen in der DDR ab. Die DDR verliert damit ihre Existenzgarantie.
31. JuliIn Ost-Berlin, Warschau, Prag und Budapest versuchen Tausende von DDR-Bürgern, durch die Erstürmung der Botschaften der Bundesrepublik ihre Ausreise zu erzwingen.
19. AugustBei dem sogenannten "Paneuropäischen Picknick" nutzen etwa 600 DDR-Bürger die offene ungarisch-österreichische Grenze zur Flucht in den Westen.
4. SeptemberIn Leipzig findet die erste Montagsdemonstration statt, bei der etwa 1.200 Demonstranten für Reise-, Presse- und Versammlungsfreiheit demonstrieren.
10. SeptemberDie Bürgerbewegung "Neues Forum" veröffentlicht ihren Gründungsaufruf.
10. SeptemberCsilla von Boeselager übersetzt die Rede des ungarischen Außenministers Gyula Horn: "Die DDR-Flüchtlinge können ausreisen". Fast einen Monat lang hatten ca. 30.000 Flüchtlinge in von Csilla von Boeselager organisierten Zeltlagern in Budapest ausgeharrt.
11. SeptemberUngarn gewährt DDR-Flüchtlingen die Ausreise nach Österreich. In der DDR bilden sich nach dem "Neuen Forum" weitere Bürgerbewegungen: Demokratie Jetzt (12. September), die Sozialdemokratische Partei in der DDR (7. Oktober) und Demokratischer Aufbruch (2. Oktober).
18. SeptemberProminente Rockmusiker unterstützen in einem Aufruf die Gründung des "Neuen Forum", das am darauf folgenden Tag einen Antrag auf Zulassung als politische Vereinigung gemäß Artikel 29 der Verfassung stellt.
30. SeptemberTausenden von DDR-Flüchtlingen in den deutschen Botschaften in Prag und Warschau wird erlaubt, in die Bundesrepublik Deutschland auszureisen. Der bundesdeutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher verkündet am Abend auf dem Balkon der deutschen Botschaft in Prag dieses Verhandlungsergebnis.
2. OktoberDie Leipziger Montagsdemonstration mit etwa 20.000 Teilnehmer wird von DDR-Sicherheitsorganen gewaltsam aufgelöst.
4. OktoberEtwa 7.600 DDR-Flüchtlinge, die in der Prager und in der Warschauer Botschaft Zuflucht gesucht hatten, werden mit der Bahn über abgesperrte Bahnstrecken der DDR in die Bundesrepublik befördert. Am Dresdner Hauptbahnhof kommt es zu den schwersten Auseinandersetzungen von demonstrierenden Bürgern mit DDR-Sicherheitskräften seit dem 17. Juni 1953.
7. OktoberBei den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR mahnt der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow die DDR-Führung zu politischen Reformen. Am Rande der Feiern demonstrieren zehntausende Menschen für eine demokratische Erneuerung des Sozialismus, Volkspolizei und Stasi reagieren mit Prügelorgien und Massen-Verhaftungen.
9. OktoberIn Leipzig findet die Montagsdemonstration mit etwa 70.000 Teilnehmern statt. Zum ersten Mal kann man den Slogan "Wir sind das Volk" hören. Es kommt nicht, wie befürchtet, zu bewaffneten Gegenmaßnahmen von Seiten des Staates, obwohl NVA-Truppen und Polizei verstärkt und in Bereitschaft versetzt sind und eine erhöhte Zahl Blutkonserven in den Krankenhäusern bereitsteht. Eine Woche später sind 100.000 bis 120.000 Demonstranten in den Leipziger Straßen. Erich Honeckers Befehl, schonungslos gegen die Demonstranten vorzugehen, wird von der Leipziger SED-Führung nicht befolgt. Kurt Masur und andere rufen zu friedlicher Mäßigung auf, die UdSSR verweigert die Teilnahme an einer eventuellen militärischen Niederschlagung der Demonstration. Letztendlich bleibt es friedlich.
18. OktoberErich Honecker erklärt den Rücktritt von allen seinen Ämtern. Egon Krenz wird zum neuen Generalsekretär des Zentralkomitees der SED gewählt und prägt in seiner Antrittsrede den Begriff Wende.
23. OktoberBei der Leipziger Montagsdemonstration skandieren etwa 300.000 Menschen: Wir sind das Volk.
24. OktoberDie Volkskammer tritt zu ihrer 10. Tagung zusammen. Die Abgeordneten stimmen einmütig dem Antrag zu, Erich Honecker "auf eigenen Wunsch aus gesundheitlichen Gründen" von seinen Funktionen zu entbinden. Der Volkskammerpräsident Horst Sindermann zollt Erich Honecker Anerkennung: "Wir lassen die menschliche Größe des Revolutionärs und die kommunistische Anständigkeit unseres Genossen Honecker nicht antasten". Egon Krenz wird zum Vorsitzenden des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates gewählt.
3. NovemberDie Führung der DDR erlaubt erstmals die Ausreise von DDR-Bürgern aus der ČSSR in die Bundesrepublik.
4. NovemberDie größte Demonstration der deutschen Nachkriegsgeschichte mit knapp einer Million Teilnehmern findet auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin statt. Legal angemeldet von Künstlerinnen und Künstlern fordern die Demonstranten und die Redner Meinungsfreiheit, eine Demokratisierung der DDR sowie ein Ende des Führungsanspruches der SED. Unter den Rednern sind neben Künstlern wie Christa Wolf, Ulrich Mühe und Steffie Spira und Repräsentanten der neuen Bürgerbewegungen wie Marianne Birthler, Jens Reich und Friedrich Schorlemmer auch SED-Vertreter, darunter Günter Schabowski und Markus Wolf, die aber ausgebuht die Bühne verlassen.
7./8. NovemberDer Vorsitzende des Ministerrates, Willi Stoph und das gesamte Politbüro der SED treten zurück.
9. NovemberGünter Schabowski verliest vor laufenden Kameras, dass sofort und unverzüglich Privatreisen nach dem Ausland ohne Vorliegen von Voraussetzungen wie Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse beantragt werden könnten. Die Genehmigungen würden kurzfristig erteilt. Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur Bundesrepublik erfolgen. Tausende eilen an die Grenzen. Ohne Befehl öffnen Grenzsoldaten die Übergänge der Berliner Mauer und der Grenze zur Bundesrepublik.
13. NovemberHans Modrow, bis dahin Chef des SED-Parteibezirks Dresden, wird von der Volkskammer zum Ministerpräsidenten der DDR gewählt.
15. NovemberKPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow nennt die Wiedervereinigung Deutschlands eine "innerdeutsche Angelegenheit" und macht damit klar, dass die Sowjetunion einer solche Wiedervereinigung nicht im Weg stehen würde.
1. DezemberDer Führungsanspruch der SED wird von der Volkskammer offiziell aus der Verfassung der DDR gestrichen. Die Staatsanwaltschaft leitet gegen sechs ehemalige SED-Funktionäre Ermittlungsverfahren wegen Amtsmissbrauch und Korruption ein, unter anderem auch gegen Erich Honecker.
3. DezemberEgon Krenz tritt als Vorsitzender der SED zurück.
3. DezemberDie Teilnehmerinnen eines Frauenkongresses gründen in der Berliner Volksbühne den Unabhängigen Frauenverband (UFV).
6. DezemberEgon Krenz tritt als Vorsitzender des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates zurück. Neues Staatsoberhaupt wird Manfred Gerlach (LDPD). Auf Vorschlag des Politbüros beschließt das Zentralkomitee der SED, Hans Albrecht, Erich Honecker, Werner Krolikowski, Günther Kleiber, Erich Mielke, Gerhard Müller, Alexander Schalck-Golodkowski, Horst Sindermann, Willi Stoph, Harry Tisch, Herbert Ziegenhahn und Dieter Müller aus dem Zentralkomitee auszuschließen. "Auf Grund der Schwere ihrer Verstöße gegen das Statut der SED" werden sie auch aus der Partei ausgeschlossen.
7. DezemberDer zentrale Runde Tisch in Berlin tagt das erste Mal.
9. DezemberGregor Gysi wird auf einem Sonderparteitag der SED zum Vorsitzenden gewählt.
16. DezemberDie SED gibt sich den Namenszusatz PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus). Am selben Tag beschließt der "Demokratische Aufbruch" seine offizielle Gründung.
22. DezemberDas Brandenburger Tor wird geöffnet.
24. DezemberAuch Bundesbürger dürfen das erste Mal ohne Visum und Mindestumtausch ("Zwangsumtausch") in die DDR einreisen.
1. Januar - 31. DezemberInsgesamt sind in diesem Jahr 343.854 Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelt. Ein Jahr zuvor, 1988, waren es noch 39.832.

Quelle Wikipedia

Seite 92 von 234

Hier geht's zum Podcast "Eliten in der DDR" bei MDR.DE