Das war die DDR

Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik 1971 - 1980

Erich Honeckers Amtszeit wurde durch einen Beschluss der SED gekennzeichnet, der die "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" zur neuen Hauptaufgabe bestimmte. Unter Walter Ulbricht hatten bis 1971 der Aufbau und die Weiterentwicklung der ökonomischen Basis auch unter Berücksichtigung systemtheoretischer und technologischer Innovationen und wirtschaftlicher Erfordernisse im Vordergrund der Wirtschaftspolitik gestanden.

Nach den Beschlüssen des VIII. Parteitags der SED erfolgte 1971 ein politischer Paradigmenwechsel. Mittels einer forcierten Erhöhung des Lebensstandards und der Kaufkraft sollte die Zufriedenheit der Bevölkerung gesteigert und letztlich die Arbeitsproduktivität erhöht werden. Ein Kernstück dieser Idee war ein Wohnungsbauprogramm, das das dringende Wohnungsproblem bis 1990 lösen sollte und vor allem zum Entstehen großer Neubaugebiete mit für damalige Verhältnisse komfortablen Wohnungen in vielen Städten der DDR führte.

Bis 1980 wurden 700.000 bis 800.000 Wohnungen errichtet oder modernisiert und bis 1990 nach offiziellen Angaben insgesamt 3 Millionen Wohnungen in Plattenbauweise hergestellt. Später stellte sich jedoch heraus, dass die DDR-Regierung diese Zahlen stark geschönt hatte und tatsächlich nur 1,92 Millionen Plattenbau-Wohneinheiten errichtet worden waren. Der damit verbundene Verfall und Abriss von Altbauten, deren Sanierung für die DDR zu teuer war, führte zu einer Verödung der Innenstädte.

Ein weiterer Schwerpunkt von Erich Honeckers Wirtschaftspolitik war die Beschaffung von westlichen Produktionsanlagen für Export- und Konsumgüter. Diese Investitionen wurden durch Kredite bei westlichen Banken finanziert und sollten sich plangemäß ab Ende der 1970er Jahre bezahlt machen.

Diese Änderung der Wirtschaftspolitik verursachte erstmals hohe Auslandsschulden gegenüber dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet, nach Ansicht vieler der "Anfang vom Ende" der DDR.

Hauptenergiequelle der DDR war die heimische Braunkohle, die zum Heizen der Wohnungen und zur Stromerzeugung verwendet wurde. Das sowjetische Erdöl war dafür zu kostbar, da es teuer bezahlt werden musste und als veredeltes Endprodukt die wichtigste Devisenquelle war. Als am Silvestertag 1978 die Temperatur innerhalb kurzer Zeit um 20 Grad fiel, zeigte sich eine Schwäche dieser Abhängigkeit, Die mit viel Schneefall verbundene Kältewelle stoppte den Braunkohletagebau. Da es kaum Vorräte gab, bedeutete dies den Stillstand eines großen Teils der Wirtschaft für 14 Tage.

Quelle Wikipedia

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